26. Januar 1995

Wohin mit dem sechsten Dinosaurier !.
Am 26/01/`95 äußerte sich der Rheinbraun Chef Dr.Henning bei einer Pressekonferenz zum vergangenen Geschäftsjahr. Spätestens jetzt müßten auch die IGBE-Gewerkschaftsleute begreifen was mit `Ergebnissteigerungsprogramm` gemeint ist. Um so moderner die Automatisierungstechnik auf den Baggern und in den Kraftwerken wird, um so geringer ist das erfordeliche Personal. Rheinbraun kaschiert den Stellenabbau von 15600 in 1989 auf 13300 in 1996 noch durch Vorruheständler. Bei einem Durchschnittsalter der Belegschaft von 38,5 Jahren wird es auch bald an die Substanz der Jüngeren gehen. Und das obwohl angeblich die Meinung vorherrscht, “Braunkohlenabbau ist gut für uns“.
Wie gut er tatsächlich ist kann man unschwer anhand der Milchmädchenrechnung zum CO2 – Ausstoß sehen. Alle Tagebauplanungen basieren auf der Prognose, daß der Stromverbrauch steigt. Die Berechnungen zur Minderung des CO2 – Ausstoßes und somit des Treibhauseffektes, setzt aber den zukünftigen Stromverbrauch als konstant an. Denn nur so gehen die geplanten Wirkungsgradverbesserungen der Kraftwerke positiv in die CO2 – Bilanz ein. Die Erhöhung des Stromverbrauchs macht diesen minimalen Effekt aber wieder zunichte.
Mit einem 20 Milliarden “Instandsetzungs- und Instandhaltungsprogramm“ will RWE/Rheinbraun ihren Kraftwerkspark modernisieren. Moderne Kraftwerke machen mindestens 50% der Arbeitsplätze überflüssig. Aus dem Schriftwechsel zwischen RWE/Rheinbraun und der Landesregierung geht hervor, daß bis zum Jahr 2030 sechs Altkraftwerke mit der “modernsten zur Verfügung stehenden Technik“ ausgerüstet werden. Im Rheinischen Braunkohlenrevier zähle ich aber nur fünf Braunkohlekraftwerke. Der Tagebau Hambach ist der einzige Tagebau neben dem sich kein Kraftwek befindet. Die Kohle muß erst aufwendig und kostenintensiv nach Niederaußem transportiert werden. Bleibt also abzuwarten welcher Ort neben dem Tagebau Hambach mit dem sechsten Kraftwerk beglückt wird.
Man muß von einer Laufzeit von vierzig Jahren je Kraftwerk ausgehen. Genau das macht den Braunkohlenabbau bis ins Jahr 2070 notwendig. Das ganze natürlich mit veralteter Technik, denn die Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung gingen um 76% zurück. Die größte Investition ist die achte Baggergruppe im Tagebau Hambach. Das verwundert nicht, denn die zu bewegenden Abraummassen nehmen in Richtung Morschenich, Buir und Manheim stetig zu (8 Tonnen Abraum zu 1 Tonne Kohle).
Da dieses Manko durch die Bürgerinitiativen immer mehr an die Öffentlichkeit getragen wird, ist Rheinbraun natürlich viel daran gelegen den Rahmenbetriebsplan zum Tagebau Hambach I von 1996 bis 2020 so schnell wie möglich durch die politischen Instanzen zu jonglieren. Hinzu kommt noch die geplante Verlegung der A4, dem dank der Aufklärungsarbeit der Bürgerinitiativen sowohl der Erftkreis als auch der Kreis Düren immer skeptischer gegenüber steht. Es ist klar geworden, daß die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zur A4 Verlegung einen gravierenden Geburtsfehler aufweist. Die Nullvariante, also die Variante, daß die A4 da bleibt wo sie ist, wurde nicht berücksichtigt. Die Aufgabenstellung für die Planungsbüros ist also falsch.
Auf die Frage der Naturschutzverbände NRW an RWE/Rheinbraun, ob die Vorgabe der Klimaschutz Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, den CO2 Ausstoß bis zum Jahr 2005 um 25% zu reduzieren, eingehalten werden kann lautete die Antwort >>NEIN<<. Gerade aufgrund dieser Ignoranz müssen die Weichen schnellstmöglich für regenerative, also unerschöpfliche Energiequellen gestellt werden. Kleine Städte wie Kerpen oder Düren verlängern leichtfertig ihre Konzessionsverträge mit dem RWE bzw. schließen zwischen ihren Stadtwerken und dem RWE `Gesellschafterverträge` ab.
Das ist der falsche Weg, denn so wird verhindert daß Städte ihre Energieversorgung dezentral, also vor Ort mit Blockheizkraftwerken (BHKW), Windkraftanlagen, solarthermischen Anlagen usw. sicherstellen. BKHW`s haben im Gegensatz zu den prähistorischen Braunkohlekraftwerken einen Wirkungsgrad von 85%.
Sollten die Politiker sich auch weiterhin an der kurzen Leine der Energiewirtschaft halten lassen, so bleibt die Reduzierung des Klimakillers CO2 eine leere Worthülse.

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