2013

Zur Erinnerung an der Bürgewald und den Hambacher Forst stiften die Bürgerintiativen gegen die Verlegung der Autobahn A4 die Heiligenfigur Arnoldus an die Kirche St. Michael Buir.
Durch den Tagebau Hambach wird zwischen Jülich, Elsdorf und Buir eine Fläche von rund 85 Quadratkilomentern in Anspruch genommen. Es ist etwa das Gebiet der alten Bürgewälder und des heutigen Hambacher Forstes, ein Waldgebiet mit hoher ökologischer Bedeutung und einer hochinteressanten Historie für die umliegenden Orte.
Im September 1978 wurde der Tagebau in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft begonnen, und etwa im Jahre 2020 erreicht der Abbau den heutigen Verlauf der Autobahn A4 von Köln nach Aachen. Weil diese Strecke aber durch das Abbaufeld führt, wird sie nach Süden entlang der Abbaukante an den Ortsrand von Buir verlegt. Der Versuch, dies mit all seinen Konsequenzen zu verhindern, ist im Mai 2009 vor dem Verwaltungsgericht in Leipzig endgültig gescheitert.
Was bleiben wird sind Erinnerungen an einen großen, zusammenhängenden Altwald mit eizeitlichen Reliktarten, mit einem Baumbestand, der seines Gleichen sucht, und mit einer Tierwelt, z.B. dem seltenen Mittelspecht, die gleichermaßen artenreich wie schützenswert ist.
Um diese schon seit Jahrhunderten wertvolle Waldfläche rankt sich die Legende vom Heiligen Arnoldus, der etwa im Jahre 800 im damaligen Genetsweiler – heute Arnoldsweiler – verstarb, wo er bis zum heutigen Tage verehrt wird. Er war Musiker und Sänger am Hof Karls des Großen und reiste viel und oft mit ihm durch die Lande.

Der Ritt um den Bürgewald
Als Karl der Große mit seinem Gefolge im Bürgewald (ein Waldgebiet nördlich von Düren zwischen Rur und Erft, im Bereich des heutigen Braunkohlentagebaus Hambach, das heute oft fälschlich „Hambacher Forst“ genannt wird) zur Jagd ging, begleitete Arnold die Gesellschaft. Er bemerkte dabei die große Armut der Dorfbewohner ringsumher, die sich darüber beklagten, dass der Wald königliches Eigentum sei und sie deshalb unter Mangel an Brennholz litten, weil sie es nicht wagten, etwas vom Waldboden aufzuheben.
Als König Karl eines Tages bei einer Jagd in den Wäldern in der Nähe von Düren zwischen Aachen und Köln rastete, um Gastmahl zu halten, bat Arnold darum, der Frankenherrscher möge ihm soviel von dem Wald schenken, wie er während der Dauer des Mahls umreiten würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Der listige Arnold hatte sich zuvor in den umliegenden Dörfern frische Pferde bereitstellen lassen und vollbrachte es im Staffelritt, den gesamten Wald zu umrunden, noch bevor das Mahl vorüber war.
Karl der Große war Arnold wohlgesinnt und war ihm nicht böse über die List, die seine großzügige Geberlaune reichlich ausnutzte. Er schenkte ihm einen Ring zum Zeugnis, dass der Wald fortan ihm gehöre. Arnold verschenkte den Bürgewald weiter an die umliegenden Dörfer, wo er in der Folgezeit aus Dankbarkeit wie ein Heiliger verehrt wurde. Jahrhundertelang konnte das Waldstück von bis zu 49 angrenzenden Ortschaften genutzt werden.

In einer Erweiterung der Legende erschöpfte eines der Pferde vor Durst und eine Magd verweigerte das Wasser zur Erfrischung. Das Pferd scharrte daraufhin mit den Hufen im Boden und es sprudelte eine Quelle hervor, die noch heute den Namen Arnolduspötzsche (Arnoldusquelle) trägt. Die Frau soll aus dem Dorf Huchem-Stammeln (heute Gemeinde Niederzier) gewesen sein. Deshalb sei dieser Ort vom Recht am Wald ausgeschlossen gewesen. In Wirklichkeit war er damals keine selbständige Pfarrgemeinde. Noch heute fehlt der Name dieser Ortschaft unter den Namenstafeln in der Arnolduskapelle, wo 15 der beschenkten Dörfer auf Namensschildern aufgelistet sind.

Die ganz spezielle Darstellung des Heiligen Arnoldus für die Pfarrkirche St.Michael in Buir.
Die ganz speziell für Buir aus Zwirbelholz geschnitzte Heiligenfigur des Heiligen Arnoldus zeigt aber zusätzlich zur Erinnerung an die Bürgewälder und den Hambacher Forst einen der wunderschönen alten Bäume aus diesem Waldgebiet, und sie verbindet so die Legende um den Ritt um den Bürgewald mit der heutigen, ganz aktuellen Situation. Die historisch anmutende und deshalb dennoch „zeitgenössische“ Heiligenfigur wurd im Wallfahrtsort Maria-Vesperbild in der Nähe von Augsburg angefertigt, und sie besticht in Form und Farbe durch ihre Liebe zum Detail. Der Künstler Arnold Haiß trägt sogar den Vornamen des Heiligen.

Seinen Platz wird der Heilige Arnoldus als Musiker und und Schutzpatron der Organisten in der Buirer Pfarrkirche natürlich neben der Orgel erhalten.




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