15. Dezember 1999

Leserbrief von Peter Inden
Erdgas versus Braunkohle
Angesichts extrem günstiger Wirkungsgrade, überschaubarer Investitionskosten und schneller Verfügbarkeit erlebt die Stromerzeugung auf Gasbasis in GuD-Anlagen derzeit weltweit einen wahren Höhenflug . So liegen der Siemenstochter KWU allein für den US-Markt Bestellungen für gut 60 neue Gasturbinen vor. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ verdrängen in den USA die überaus preiswert arbeitenden GuD-Anlagen mehr und mehr konventionelle Kraftwerke aus dem Geschäft. In Deutschland sorgten jüngst erst Investitionspläne der skandinavischen Energieunternehmen Vasa (Schweden) und IVO (Finnland) für Aufsehen, die in Greifswald GuD-Blöcke mit einer Gesamtleistung von mehr als 2500 Megawatt errichten und damit der Veag Konkurrenz machen wollen. Der Verdrängungswettbewerb zwischen den Primärenergieträgern Erdgas und Braunkohle wird sich aber auch im rheinischen Braunkohlerevier zugunsten von Erdgas entscheiden. Denn PowerGen, der zweitgrößte Energieversorger Großbritaniens, beabsichtigt den Bau eines Gas- und Dampfturbinen – Kraftwerkes als Konkurrenz zum Goldenberg-Werk in Hürth-Knapsack. Dort soll für 1Mrd.DM ein 1000MW Kraftwerk gebaut werden. Bedenkt man, daß in Niederaußem 2,7Mrd.DM für ein 950MW Braunkohlekraftwerk investiert werden sollen, so kann es zur Zeit beim RWE nicht mit rechten Dingen zugehen. Diese Kapitalvernichtung von 2,7Mrd.DM wird wohl als Negativ-Meilenstein in die hundertjährige Firmengeschichte eingehen. Denn das Personalkarussell bei der RWE Energie AG dreht sich weiter. Nach dem Ausscheiden von Vorstandschef Roland Farnung wird nun auch der Braunkohle-Hardliner H.Hlubek das Unternehmen verlassen. Gleichzeitig dementierte das Unternehmen Pressemeldungen, wonach eine Überführung des Kraftwerkparks in unabhängige Gesellschaften und eine Aufteilung nach Energieträgern geplant sei. Derartige Modelle seien bei RWE Energie zur Zeit nicht geplant, erklärte Hlubek. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass gerade die am hartnäckigsten dementieren Meldungen umgesetzt werden. Der vom Energiemarkt vorgegebene Strukturwandel wird gravierende Auswirkungen auf die RWE Tochter Rheinbraun haben. Das verstärkte Auslandsengagement der Rheinbraun und die rückläufige Förderung im Tagebau Hambach lassen eine Verlegung der Autobahn 4 immer unrealistischer werden.
RWE erneuerte zwar sein Bekenntnis zur Braunkohlen- Verstromung. Hlubek nannte Meldungen frei erfunden, zwischen Kraftwerksmanagern der RWE Energie und der Konzernspitze gebe es Differenzen in dieser Frage. Der im Oktober ausgeschiedene Vorstandchef Farnung galt als Gegner eines Ausbaus der Braunkohle-Verstromung. Zum Nachfolger von Farnung ist mit Wirkung vom 1. Januar 1999 Daimler- Vorstandsmitglied Manfred Remmel berufen worden. Remmel wird die Kraftwerksgeschäfte des RWE auf den ökonomischen Prüfstein stellen und unwirtschaftliche Sparten, wie die Braunkohlekraftwerke Niederaußem usw. in unabhängige Gesellschaften ausgliedern, denn letztendlich zählen bei ihm nur die Kenngrößen Profit und Wirtschaftlichkeit.

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