11. Juli 2020 Giftmüll aus der Berrenrather Börde entfernen

Leserbrief von Waltraud Schnell:
Giftmüll aus der Berrenrather Börde entfernen

Mit dem Strukturförderungsgesetz und seinen hohen Entschädigungen für das Rheinische Revier wäre genug Geld da, um die Granaten und Bomben aus der ehemaligen Braunkohlengrube in der Berrenrather Börde wieder auszugraben, die das Grundwasser gefährden. Das wäre eine gute Aufgabe des Strukturwandels, ehe man Bauvorhaben und eine Stadtbahn von Frechen nach Kerpen plant.
Der Landtag Nordrhein-Westfalen beantwortete am 5.7.1994 eine Anfrage von mehreren Abgeordneten, darunter Werner Stump, zu Kampfstoffen bei Frechen und Kerpen. Die Anfrage vom 17.5.1994 beeinhaltete: Dort lagern 650 Tonnen Sprenggranaten mit chemischen Sprengstoff, 503 Granaten und 2 Senfgasbomben. Es gibt in Munster eine von der Bundesregierung errichtete Verbrennungsanlage. Die Zuständigkeit und Verantwortung liegt nach dem Grundgesetz grundsätzlich bei den Ländern. Die Antwort der Landesregierung lautete: 1964 bis 1969 wurde die „Munition auf Veranlassung des Innenministeriums in Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln und den Rheinischen Braunkohlebergwerken im Braunkohlengebiet bei Berrenrath (Roddergrube) in etwa 30 bis 70 Meter Tiefe versenkt.“ Der Inhalt der Kampfstoffgranaten ist zum Teil unbekannt. Ein Gutachten der Bundeswehr von 1984 und die Bezirksregierung Köln meinten, es gäbe keine Grundwassergefährdung. Das Landesoberbergamt NRW sagte 1986: der Abbau würde auf 234 Mio DM geschätzt. Die bereits rekultivierten Flächen würden devastiert. Der kulturfähige Boden würde verschlechtert. Mit der Bergung befasste Personen könnten durch Detonationen leiden.
Fazit der Antwort der Landesregierung 1994: die Bergung der Kampfstoffe wäre zu teuer, 234 Mio. DM, und zu aufwändig. Das sind etwa 120 Mio. Euro.
1995 beantragte Herr Horst Ziegler aus Bergheim die Wiederaufnahme der Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Köln, die ihm am 22.2.1995 antwortete: „Ihrem Antrag vermag ich nicht zu entsprechen, da ein strafrechtliches Fehlverhalten nicht erkennbar ist. Die Ablagerung erfolgte vor über 20 Jahren auf Veranlassung des Innenministeriums in Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln und den Rheinischen Braunkohlewerken.“
Heutzutage gibt es andere Ansichten über Umweltverschmutzung und Gefahrgutentsorgung. Auch RWE trägt eine Mitverantwortung für die Altlasten in seiner Grube. 15 Milliarden soll das Rheinische Revier für den Strukturwandel erhalten, RWE 2,6 Milliarden. Davon kann man 120 Millionen Euro nehmen und endlich den Giftmüll aus der Berrenrather Börde entfernen.

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