04. Mai 2000

Leserbrief von Peter Inden
Direktorenposten beim Tagebau Hambach einsparen.
Das Management der Rheinbraun Verstromungs AG kann einem schon leid tuen ! Da wird der Direktor des Tagebaus Hambach H.Schulz in allen Ehren in den „Ruhestand“ entlassen und das, obwohl er mit seinen 63 Jahren als Dinosaurier unter den 51 jährigen Vorruheständlern gilt. Als Vorbild taugt er sicher nicht, oder wird bei Direktoren mit unterschiedlichem Maß gemessen ? Der Direktorenposten beim Tagebau Hambach sollte zukünftig eingespart werden, da eine Neubesetzung dieser Stelle den betriebswirtschaftlichen Niedergang der Braunkohleverstromung nicht aufhalten kann. Die elektrische Energie kann im liberalisierten Umfeld wesentlich günstiger auf dem Spotmarkt beschafft werden, als das mit den uneffizienten Braunkohlekraftwerken möglich ist. In der jüngst veröffentlichten „Gefälligkeitsstudie“ zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Braunkohle, werden hingegen wieder einige medienwirksame Argumente in den Vordergrund gespielt, die bereits seit Jahren durch andere Studien widerlegt, bzw. durch einen ganzheitlichen Ansatz von vorne herein anders bewertet werden müssen. In der von der Rheinbraun Verstromungs AG beschworenen volkswirtschaftlichen Betrachtung fehlen natürlich die Kosten für die negativen Umweltauswirkungen des Tieftagebaus Hambach, kostenloses Sümpfungswasser, kostenloser Strom für den Eigenbedarf, Vernichtung der Grundwasservorräte, Vernichtung des Hambacher Forstes, überflüssige Verlegung der A4 usw. Allein mit dem kostenlosen Strom für die Bagger und die restlichen Eigenanlagen ließe sich bequem eine Millionenstadt versorgen. Warum enthält die Rheinbraun Verstromungs AG als Auftraggeber dem RWI und der FH Mönchengladbach diese Informationen wohl vor ? Die Antwort kann sich jeder Leser selbst geben !
Die „friedliche Übernahme“ der RWE Kraftwerker durch Rheinbraun läßt auch tief blicken. Nach der Landtagswahl am 14.Mai.’00 und nachdem die EU der RWE / VEW Fusion grünes Licht gegeben hat, werden sich solche Beispiele der stillscheigenden Überleitung von Arbeitsverträgen – zu meist schlechteren Konditionen – noch mehr häufen. Natürlich waren auch die geplanten 4800 abzubauenden Stellen bei der Rheinbraun Verstromungs AG nicht Gegenstand der Studie. Den Betroffenen muß aber klar sein, dass dieser Kahlschlag mit der 51er Vorruhestandsregelung, die übrigens unerwähnterweise die Volkswirtschaft starkt belastet, nicht alleine möglich ist. An einem Sozialplan geht also kein Weg vorbei. Dabei könnte das teilweise doch hoch qualifizierte Personal sicher auch zum Betrieb von Gaskraftwerken eingesetzt werden. Die Arbeitsplätze in den Tagebauen werden aber sicher kurz- bis mittelfristig auf der Strecke bleiben, mit oder ohne Gefälligkeitsgutachten.

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